09. August 2020 - 21:00
Olympiapark München, Munich
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Salewski & Tom Wu - Olympiastadion - München | Sonntag, 09. August 2020

Sing, sagte Salewski, sing einfach, was du willst. Und so sang

ich also und legte mich in das von ihm fein bereitete,

schlankweg luxuriös aufgepolsterte Klangbett, genau wie die

anderen sechs einbestellten VokalistInnen. Aber jede Stimme

räkelt sich auf ihre ganz eigene Weise zu ihrem Chanson: Inida

Kreuz auf albanisch bei Strand II, Pico Be texttrunken tänzelnd

bei Sulukule, Manuela Rzytki mit der Chanteusen-Zunge lässig

in der Backe bei Ceci n’est pas une pipe, Rosalie Eberle mit der

ganzen Überschusskraft der Oper bei Weniger, und dann noch

dieser unwiderstehliche Autotune-Sommerhit Epuscrular von

Autoboy! Das Singen ohne Stimme führt uns bei Monolith der

bekannte Geräusche-Crooner Anton Kaun vor, Salewskis

Stimme selbst erscheint uns tatsächlich auch selbst mit dem

Mantra I and I unter dem Deckmantel seiner Geheimidentität

Agnostoman, und die hier Unterzeichnete berichtet in

Ghostdrivers von Geisterfahrern und in Painted on von

Gliedmaßen, die aber lediglich am Körper aufgemalt sind – in

einer hypnoiden Vortragsweise, die vielen der auf diesem

Album vertretenen Stimmen zu eigen ist. Die makellosen

Percussion-und-Synthesizer-Landschaften, in denen sie sich

tummeln, hat der Meister sämtlich selbst eingespielt (Gemischt

und produziert wurde das Ganze anschliessend mit Albert

Pöschl in dessen echokammer Studio) und zwar bei sich in

seinem rauchverhangenen Wohnzimmer, wo langfingrige

Sonnenstrahlen durch das Pflanzengestrüpp vor den Fenstern

bizarre Schatten auf die eierschalenfarbenen Teppiche zaubern

– und genau so, eklektisch und geheimnisvoll, klingt diese

Platte auch. Salewski ist einer, der aus ganz wenig ganz viel

machen kann, als Musiker und als Mensch. Ein Minimalist mit

einem Herz aus Gold. Und dies ist ein Schmuckkästchen von

einem Album, eine Gehirnschleuder und ein Seelentröster

zugleich.

// Tom Wu: Auftritte von Tom Wu sollten ausschließlich in Kellerclubs stattfinden. Kellerclubs, in die man hinabsteigen muss, als würde man in die Abgründe unserer Psyche hinabsteigen. Kellerclubs ohne Licht, als würde man sich in den düstersten Ecken unserer Gedanken befinden. Kellerclubs ohne Licht, bis auf ein Strobo, das Bilder von Menschen in Ekstase zeigt, zerhackt in Momentaufnahmen.

Denn genauso wirkt die neue Platte des Münchner Schlagzeugers und Sängers: Wie eine Reise ins Unbewusstsein, wie eine besonders schwarze Nacht auf etwas zu starken Drogen.