06. Dezember 2017 - 18:00
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200 Jahre Marx: klassische Kontroversen, aktuelle Debatten | Institut fuer Zukunft | Mittwoch, 06. Dezember 2017

Marx Expedition 2017/18
200 Jahre Marx: klassische Kontroversen, aktuelle Debatten

Mit dem Erscheinen der Erstausgabe von Karl Marx' Das Kapital vor 150 Jahren begann zugleich eine bis heute anhaltende Rezeptions- und Interpretationsgeschichte. Die daraus hervorgegangenen Varianten des Marxismus erhoben jeweils den Anspruch, den wahren Marx entdeckt zu haben. Die Kontroversen über die verschiedenen Lesarten waren dabei keineswegs nur von philologischem Interesse. Je nach Auslegung und Gewichtung wurden unterschiedliche politische Konsequenzen aus den Texten abgeleitet. Während die Sozialdemokratie mit der Annahme eines naturnotwendigen Verlaufs der ökonomischen Entwicklung das revisionistische Programm eines "friedlichen Hineinwachsens in den Sozialismus" legitimierte, sah die Studentenbewegung der 1960er Jahre den Kern des Marx'schen Werkes in der Entfremdungs-, Verblendungs- und Verdinglichungstheorie. Die Ideologie kapitalistischer Gesellschaften, so ihre Schlussfolgerung, gelte es durch einen revolutionären Akt der Befreiung zu durchbrechen. Im realexistierenden Staatssozialismus hingegen rechtfertigte man die Diktatur des Proletariats mit einem Marx, der mit der Kritik der Fundamente der bürgerlichen Gesellschaft zugleich auch deren Errungenschaften entsorgt habe. Gegenwärtig ist die Verbindung zwischen "dem Marxismus" und den LohnarbeiterInnen gerissen. Die aktuellen akademischen Debatten zu Marx erzeugen kaum gesellschaftliche Resonanz. Gemeinhin gilt Marx als wissenschaftlich widerlegt und als Begründer einer autoritären Gesellschaftsordnung. Kurz: Marx hat ein Imageproblem. Zugleich lässt sich jedoch beobachten, dass das Interesse an Marx und seinen Ideen in jüngster Zeit zunehmend wächst. Aber welcher Marx erlebt hier eine Renaissance? Der frühe Marx als Philosoph der Befreiung oder der späte Marx als Theoretiker des Kapitals? Kommen gar ehemals zentrale Themen des Marxismus, wie Klassenkampf, eine materialistische Geschichtsphilosophie oder die berüchtigte Verelendungstheorie zurück, die lange Zeit als überholt galten?
Anhand von drei klassischen Kontroversen wollen wir exemplarisch unterschiedliche Zugänge zu Marx aufzeigen. In den Podiumsdiskussionen werden jeweils zwei Standpunkte aufeinandertreffen, um nach Plausibilität, Aktualität und den unterschiedlichen praktischen Konsequenzen der jeweiligen Lesarten zu fragen.


Termine:

06.12.2017 | 18:00 Uhr
Geschichte und Geschichtsphilosophie bei Karl Marx
Peggy H. Breitenstein & Robert Schnepf (Moderation: Ulrich Brieler)



16.01.2018 | 18:00 Uhr
Alt gegen Jung? Brüche und Kontinuitäten im Werk von Karl Marx
Michael Heinrich & Christian Schmidt (Moderation: Antonella Muzzupappa)



01.02.2018 | 18:00 Uhr
Recht und Rechtskritik bei und nach Karl Marx
Anne-Kathrin Krug & Benno Zabel (Moderation: Philipp Lorig und Elisabeth Niekrenz)




Eine Veranstaltung von . In Kooperation mit Kulturraum e.V. - KreV und der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen e.V. Grafik von Lea Pauline Kolling.
Bemerkungen
  • Es ist soweit! Die Veranstaltungen für das Wintersemester 2017/18 sind online. Diesmal mit neuem Format (Diskussionsrunde) und an neuem Ort (ifz).